Ein Sandkorn
Ein Sandkorn mit etwa 2,5mm Durchmesser hat verursacht, dass ich kürzlich eine längere Reise über Hahn-Edinburgh-Aviemore-Inveraven hinter mich gebracht habe. Und wie es bei einer Orgelbauerreise oft der Fall ist, bevor man solch ein Sandkorn nicht aus den Fängen eines Tonventils befreit hat, das sein Maul unermesslich weit aufsperrt und für Unruhe in der Orgel sorgt, kommt man kaum in den Genuss solcherlei Reisen unbeschwert genießen zu können, ohne immerfort an jenes Sandkorn zu denken. Solch ein Sandkorn kann ein biblisches Symbol sein, indem man in jenem Mikrokosmos und eingefrorener Zeit von Milliarden von Jahren die physikalische Unerfassbarkeit der Welt wahrnehmen kann. Dann kann man sogar als analytischer Einfallspinsel, Alles und Jeden methodisch musternd, ein Leben in voller Zufriedenheit hinter sich bringen. Oder man sieht die “unermessliche Tiefe”, die über solchen “belangslosen Zeichen” schweben, und die sagen :”versuche die Deutung hinter der Physik!”. Also dort in jener Ecke, wo das Wort versagt und höchstens noch die Musik das Phänomen läuternd touchiert. Spätestens beim Rückflug mit Rynair, den Spiegel in der Hand, und den Artikel “Disneyland für Physiker” überflogen, schrumpfelt das ganze metaphysische Konstrukt wieder auf ein neuropsychisches, beinahe schmerzendes Sandkorn zusammen, und wir sind wieder zurück in die Masse der “Bildschirmbetreiber” gekehrt - die eigentlich nur Sandkörner kennen, bedeutungslose allerdings. Meere aus Sandkörnern tun sich auf.