Günther Ramin und sein Führer
Es ist ein seltener Fall eines Wechselbalges, der unter widrigen Umständen von einem Extrem ins andere verfällt. Typisch Künstler? Oder etwa typisch deutsch?
Die Fragestellung aus der wir fruchtbar lernen wollen ist, wie ist es möglich am „heiligen Instrument“ tätig zu sein, zuerst an Synagogenorgeln in den 1920er Jahre, dann als Reichsparteitagsorganist an den berüchtigten Naziorgeln, als Thomaskantor in den Fußtapfen Johann Sebastian Bachs, um dann später gepriesener Nationalpreisträger der DDR zu werden, und sich dabei einer solchen Proletenanbeterei zu unterwerfen, wie das in den nachfolgenden Worten Günther Ramins geschah.
Es geht hier nicht darum, bedeutende Menschen mit ihren Ausrutschern in Verlegenheit zu bringen, sondern es geht ausschließlich darum, diese verwegene Haltlosigkeit in Sachen politischer Unterwerfung, wie wir sie bei großen Künstlern und auch einem Philosophen wie Heidegger oder dem Dichter Benn finden, erklärbar zu machen. Und selbst in ihre Rolle zu schlüpfen und den Versuch wagen alles Fühlen und Denken dabei einzubringen.
Diese Worte Günther Ramins wurden von ihm gesprochen während der Veranstaltung in St. Florian bei Linz, anlässlich der Übersiedlung des Reichs-Bruckner-Chores nach Linz am 03.05.1944. Seine Dankesworte am Schluß, vielleicht etwas schwierig erhörbar vor seinem Hackenschlag sind: „Wir sind uns einig, dass wir dem Führer eine Freude machen. Das ist der schönste Lohn und dafür tun wir alles…“
hier als mp3 file: ramin.mp3
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gwm
