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4.1.2010

Schrumpft fröhlich!

Abgelegt unter: Uncategorized — admin @ 21:56


Schrumpft fröhlich! Zu Weihnachten werden die Kirchen wieder voll sein. Die Menschen werden den alten Liedern lauschen oder sogar mitsingen, auch wenn sie das ganze Jahr über nicht in der Kirche waren. Und mancher Pfarrer wird am Altar stehen und leise sagen: Kämen sie doch immer. Das tun sie aber nicht. Die Zahl der Kirchenmitglieder wird weiter sinken in Deutschland, die Zahl der Täuflinge, Kommunionkinder, Konfirmanden, der Trauungen und der Gottesdienstbesucher. Die christlichen Kirchen wollen sich gegen den Trend stemmen, das ist in Ordnung, sie sollen jedem Menschen die Botschaft verkünden wollen, wie es ihnen Jesus aufgetragen hat. Nur: Den Trend werden sie nicht umdrehen können. Irgendwann wird nur noch die Hälfte der Deutschen Mitglied einer Kirche sein, die andere Hälfte nicht - ohne darunter sehr zu leiden. Andererseits: Die Hälfte bleibt Kirchenmitglied! Das heißt, dass sich auch in Zukunft in keiner anderen Institution, Partei oder Bewegung so viele Menschen versammeln werden wie in diesen schrumpfenden Kirchen, nirgendwo sonst wird es so viel ziviles Engagement und organisierte Nächstenliebe geben.So heißt die Botschaft für die Kirchen zum Weihnachtsfest: Schrumpft fröhlich! Lasst ohne Groll die gehen, die nicht mehr bleiben wollen, ihr müsst lernen, die loszulassen. Werdet aber offen und einladend für die, die gegangen sind und trotzdem irgendwie glauben, die mit ihren Lebensfragen zu euch kommen. Sie suchen und haben oft niemanden anders als die Kirchen, die Christen. Und keine Sorge: Die Weihnachtsgottesdienste werden auch noch im Dezember 2039 voll sein. Mit überzeugten Christen. Und mit Menschen, die kommen, mitsummen - und wieder gehen. mad (SZ vom 23.12.2009)

weihnachtlicher Kommentar zu diesem Artikel der Sueddeutschen: diese scheinbar “fröhliche Sicht” der Dinge, dieser herrlich unkomplizierte Pragmatismus, der aus der Not eine Tugend zu machen scheint, ändert nichts an der Tatsache, dass auch die andere, den Kirchen verbliebene Hälfte einer “fröhlichen Beliebigkeit” hinterher rennt, die überhaupt nichts mit Christentum zu tun hat. Die wenigen Christen, die wir in der Kirche finden, finden wir zahlenmäßig auch außerhalb der Kirche. Das Problem “Christentum - Kirche” ist nicht eine Frage der Gottesdienstbesucher, sondern es ist eine Frage der Intensität von bewusst-handelnder Christlichkeit, also etwas, das weit, weit weg  von fassbaren Statistiken und demographischer Erfassung liegt. Hier liegt der Hund begraben - nicht in der Zahl von Kirchenbesuchern und zahlender Klientel. Man verwechselt einfach immer wieder “Markt” mit “lebendiger Kirche”.  (gwm)

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