Das neue MUSICA SACRA, Zeitschrift für katholische Kirchenmusik, wartet mit Heft 1/2010
Und das zweite ist ein Artikel von Christoph Bossert: „Meine Lieblingsorgel – Die Orgel von Carl August Buchholz in der Schwarzen Kirche zu Kronstadt (Brasov).
Ich beginne mit dem Artikel von Bossert, der direkt auf sein Hörbuch „Die verlorene Spur“ Bezug nimmt, der weitgehend mit der Walcker-Orgel in Hoffenheim gestaltet wurde. Und wir gehen davon aus, dass Prof. Bossert diese Orgel von Hoffenheim, wenn sie denn wieder in einem spielbaren Zustand ist, direkt die Klangvorstellungen von Eberhard Friedrich Walcker in seiner ganzen komplexen Weise wieder gibt, als die entscheidende Walcker-Orgel versteht. Während alle anderen mir bekannten Versuche diese Klangvorstellungen aufzuarbeiten, jäh gescheitert sind.
Bossert unterscheidet die Walcker-Orgel vor 1850, was man zunächst nicht verstehen kann, weil es überhaupt keine Eberhard Friedrich Walcker-Orgel mehr nach 1850 gibt, der man klanglich nachgehen könnte. Man kann eigentlich nur der Vermutung nachgehen, dass durch die Expressionen (es sind nur die Stimmschlitze gemeint), die Walcker vermehrt nach diesem Zeitpunkt in sein Pfeifenwerk eingeführt hat, zu einer schärferen Betonung der Streicher gekommen ist. Denn Walcker hat anders als Sauer, die Expressionen rund 1,5 x des Durchmesser von der Mündungskorrektur beginnen lassen, was eben diese Klangauffälligkeit annehmen lässt. Dass Eberhard Friedrich Walcker durch die vermehrten Großaufträge nach 1850 auch andere Klangauffassungen angenommen hat, ist nichts weiter als reine Spekulation. (Denn wir können heute nicht Ulm mit Frankfurt Paulskirche im Klang vergleichen. Nur dann wäre die Möglichkeit gegeben solche Annahmen zu untermauern)
Die Buchholz-Orgel stammt nach Bossert direkt von der Wagner-Orgel her ab. Wobei das Wechselspiel von terzhaltiger und nicht-terzhaltiger Klangkrone als erstes wichtiges Innovationselement bezeichnet wird. Die Orgel in Kronstadt (Dispo kann geladen werden auf www.musica-sacra-online.de) ist 1839 von Carl August Buchholz gebaut worden. Wobei Bossert betont, dass die Expressivität jedes Manuals ein wichtiges, hervorstechendes Merkmal ist. Durch diese Expressivitäten sind klangliche Übergänge möglich, die eine wesentliche Stufe zum symphonischen Klangverständnis schaffen. In seinem Schlusssatz äußerst Bossert: „Sowohl Buchholz als auch Walcker erreichen ein klassisch-symphonisches Ideal: Sie vermitteln Entrücktheit und berührende lyrische Zartheit, können Klänge ohne Bruch näher kommen lassen, ermöglichen jederzeit differenzierte Farbübergänge und haben das Vermögenb, im vollen Werk nicht menschliche, sondern kosmische Größe spüren zu lassen, die so zum Lob göttlicher Schöpferkraft wird.“ Und ein wichtiger Nachsatz von Prof. Bossert, der nicht ausbleiben darf: „Die alleinige Eingrenzung auf das Moment des Symphonischen erscheint mir aber als zu wenig.“
Nun noch ein kurzer Blick auf die Buchkritiken von Dan Zerfaß „Von Anspruchsvollen und Kuriosem“. Die Orgelschule von Barbara Kraus und Torsten Laux „Lehrbriefe zum gottesdienstlichen Orgelspiel“ werden noch problemlos durchgewunken.Ernst wird es als Das Expert Orgellexikon aufgeschlagen wird. Zuerst dachte ich zwei Gebrüder Waldschrat hätten sich einen Spaß gemacht und eine Parodie auf das Bärenreiter-Lexikon der Orgel geschrieben, wo dann solche urigen Dinge vorkommen wie: Flautado=altes spanisches Zungenregister, … sehr offene Pfeife…, auf der Kegellade hat jedes Register seine eigene Registerkanzellenlade…. etc. Aber dem war nicht so, alles in allem hat man wohl die Organ-Expert-Schulung so weit unterschätzt, dass man mit jenem Buche seine gut gemeinten Ratschläge wohl an die falsche Adresse gerichtet hat. So dass dann also die Kritik abschließt mit: „ Diese Publikation ist keinesfalls zu empfehlen, eine Nutzung in irgendwelchen pädagogischen Zusammenhängen geradezu unverantwortlich.“
gwm

